avalw news
Jonas WeberJonas WeberVIEW PROFILE →

Deutschlands Schlüsselrolle in der globalen Chipindustrie: von Zeiss und Trumpf bis TSMC in Dresden und München

tech2026-08-20 · 3 min read · 0 reads

Ohne deutsche Technik entsteht kein moderner Hochleistungschip. Unternehmen wie Zeiss und Trumpf dominieren die EUV-Technologie zu 100 Prozent, während TSMC in Dresden und München stark investiert.

Deutschland spielt in der globalen Halbleiterindustrie eine weit größere Rolle, als vielen Menschen bewusst sein dürfte. Während die großen Chipfabriken meist in Asien und in den Vereinigten Staaten stehen, kommt eine der entscheidendsten Technologien für die Herstellung modernster Mikrochips ausschließlich aus deutschen Unternehmen.

Ohne deutsche Technik kein moderner Chip

Unternehmen wie Zeiss und Trumpf liefern die entscheidende EUV-Technologie für die weltweite Chipfertigung. (Symbolbild)
Unternehmen wie Zeiss und Trumpf liefern die entscheidende EUV-Technologie für die weltweite Chipfertigung. (Symbolbild)

Ein bemerkenswerter Fakt verdeutlicht diese zentrale Bedeutung. Kein einziger hochmoderner Chip auf der Welt entsteht ohne deutsche Technik, weder bei TSMC in Taiwan noch bei Samsung in Südkorea oder bei Intel in den USA. Die entscheidenden Kernkomponenten für die sogenannte EUV-Lithografie stammen allesamt aus Deutschland.

Konkret geht es dabei um zwei Unternehmen, die in ihren jeweiligen Bereichen eine absolute Monopolstellung innehaben. Das Unternehmen Zeiss aus Oberkochen liefert die hochpräzise Optik, während die Firma Trumpf aus Ditzingen den notwendigen Laser bereitstellt. Beide Unternehmen halten in ihrem Segment einen Weltmarktanteil von 100 Prozent.

Die Präzision von Zeiss

Der Beitrag von Zeiss ist von außergewöhnlicher technischer Komplexität. Das Unternehmen mit Sitz in Baden-Württemberg beschäftigt rund 4.500 Menschen im Bereich der Halbleitertechnik. Kernstück der Technologie sind ultrapräzise geschliffene Spiegel, deren Oberflächenabweichung im Bereich von nur wenigen Atomlagen liegt, was eine kaum vorstellbare Genauigkeit erfordert.

Die enge Verbindung zur Chipindustrie zeigt sich auch an den Beteiligungsverhältnissen. Bereits seit dem Jahr 2016 hält der niederländische Konzern ASML, der weltweit führende Hersteller von Lithografiesystemen, einen Anteil von 24,9 Prozent an der Halbleitersparte von Zeiss, verbunden mit einer Investition von rund einer Milliarde Euro.

Der Hochleistungslaser von Trumpf

Das zweite deutsche Schlüsselunternehmen ist Trumpf, das ebenfalls in Baden-Württemberg ansässig ist. Der Konzern beschäftigt insgesamt etwa 19.000 Menschen und liefert einen hochspezialisierten Laser. Dabei handelt es sich um einen 30-Kilowatt-Laser, der eine ebenso beeindruckende wie entscheidende Aufgabe im Herstellungsprozess der Chips übernimmt.

Die Funktionsweise dieses Lasers ist überaus faszinierend. Er verdampft rund 50.000 Mal pro Sekunde mikroskopisch kleine Zinntröpfchen, um das für die Belichtung der Chips benötigte extrem ultraviolette Licht zu erzeugen. Ohne diesen äußerst präzisen Vorgang wäre die Produktion der modernsten Halbleiter der Welt schlichtweg nicht möglich.

Deutsche Technik in aller Welt

Die Reichweite dieser deutschen Technologie ist enorm. Nach den vorliegenden Angaben wurden bis zum Jahr 2026 weltweit rund 250 sogenannte EUV-Scanner ausgeliefert. Ausnahmslos jede einzelne dieser hochkomplexen Maschinen enthält sowohl die Optik von Zeiss als auch den Laser von Trumpf, ganz gleich, wo auf der Welt sie zum Einsatz kommt.

Zum Einsatz kommen diese Maschinen bei den größten Chipherstellern der Welt. Dazu zählen TSMC in Taiwan, Samsung in Südkorea und Intel in den Vereinigten Staaten. Auch das neue Werk des Gemeinschaftsunternehmens ESMC, an dem TSMC beteiligt ist, im deutschen Dresden wird auf diese unverzichtbare deutsche Technologie zurückgreifen müssen.

TSMC investiert in Deutschland

Neben der Zulieferung von Schlüsselkomponenten wächst auch die direkte Präsenz asiatischer Chipkonzerne in Deutschland. In Dresden entsteht mit dem Gemeinschaftsunternehmen ESMC eine bedeutende neue Chipfabrik. An diesem großen Projekt sind neben TSMC auch die europäischen Unternehmen Infineon, NXP und Robert Bosch beteiligt.

Die Dimensionen dieses Vorhabens sind beachtlich. Die Gesamtinvestition in die ESMC-Fabrik in Dresden beläuft sich nach den vorliegenden Angaben auf rund 10 Milliarden Euro, was etwa 11,3 Milliarden US-Dollar entspricht. Damit unterstreicht der Standort Deutschland seine wachsende Bedeutung in der europäischen Halbleiterproduktion nachdrücklich.

Ein Design-Zentrum in München

Über die reine Fertigung hinaus baut TSMC seine Aktivitäten in Deutschland weiter aus. So plant das Unternehmen die Eröffnung eines eigenen Chip-Design-Zentrums in München. Diese Einrichtung soll europäische Kunden dabei unterstützen, besonders leistungsfähige und energieeffiziente Chips für Anwendungen in verschiedenen Zukunftsbranchen zu entwerfen.

Der Fokus des Zentrums liegt dabei auf mehreren wichtigen Bereichen. Laut Paul de Bot, dem Europachef von TSMC, sollen vor allem Chips für die Automobilindustrie, den industriellen Sektor, die künstliche Intelligenz und das Internet der Dinge im Mittelpunkt stehen. Damit werden Technologien zugänglich, die europäischen Unternehmen bislang oft verwehrt geblieben waren.

Eine strategische Position

Insgesamt zeigt sich, dass Deutschland in der globalen Wertschöpfungskette der Halbleiterindustrie eine strategisch herausragende Position einnimmt. Von der unverzichtbaren EUV-Technologie der Unternehmen Zeiss und Trumpf bis hin zu den milliardenschweren Investitionen von TSMC festigt das Land seine Rolle als einer der wichtigsten Akteure einer der Schlüsselindustrien der Zukunft.

Jonas Weber
Stay updated
Jonas Weber
Subscribe to get an email whenever Jonas Weber publishes a new story. No spam, unsubscribe anytime.
Jonas Weber
WRITTEN BY THE AUTHOR
Jonas Weber
2026-08-20 · 3 min read · 0 reads
View profile →
VERIFY THIS STORY
ASK AI
MORE FROM Jonas Weber
Report this articlesupport@avalw.com