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Vom Vorreiter zum Umdenken: warum Mercedes das autonome Fahren nach Level 3 neu justiert
Mercedes-Benz war der erste deutsche Hersteller mit einem zertifizierten Level-3-System, bei dem der Fahrer Hände und Augen von der Straße nehmen darf. Doch 2026 rückt der Konzern davon ab und setzt wieder auf ein leistungsfähigeres Level-2-System.
Deutschland galt lange als Vorreiter beim hochautomatisierten Fahren. Mercedes-Benz war der erste deutsche Hersteller, der ein zertifiziertes Level-3-System anbot, bei dem der Fahrer die Hände vom Lenkrad und die Augen von der Straße nehmen darf. Doch ausgerechnet 2026 rückt der Konzern von diesem Weg wieder ab, und das sagt viel über den tatsächlichen Stand der Technik aus.
Was Level 3 überhaupt bedeutet
Bei Level 3 übernimmt das Auto unter bestimmten Bedingungen tatsächlich die Verantwortung für das Fahren, anders als bei den heute üblichen Assistenzsystemen. Der Fahrer darf sich vorübergehend anderem widmen, muss aber bereit sein, auf Aufforderung wieder einzugreifen. Genau diese rechtliche Übernahme der Verantwortung macht Level 3 zu einem großen technischen und juristischen Sprung.
Mercedes als Pionier
Mercedes trieb diesen Sprung voran. Das System Drive Pilot erhielt die Zulassung der deutschen Behörden und wurde für Geschwindigkeiten bis zu 95 Kilometer pro Stunde freigegeben, was es zum schnellsten zertifizierten Level-3-System in einem Serienfahrzeug in Deutschland machte. Angeboten wurde es als kostenpflichtige Option in den Oberklassemodellen S-Klasse und EQS.
Enge Grenzen im Alltag
Allerdings hatte die Technik enge Grenzen. Sie funktionierte nur unter klar definierten Bedingungen, etwa auf bestimmten Autobahnen, bei gutem Wetter und wenn ein vorausfahrendes Fahrzeug den Takt vorgab. In der Praxis blieb der wirklich autonome Anteil einer Fahrt dadurch oft überschaubar, trotz des enormen technischen und rechtlichen Aufwands dahinter.
Der Rückzug und seine Gründe

2026 folgte die überraschende Wende. Mercedes nimmt Drive Pilot aus den überarbeiteten Versionen von S-Klasse und EQS heraus. Als Gründe gelten die geringe Nachfrage, die hohen Kosten und der begrenzte Nutzen im Alltag. Stattdessen setzt der Hersteller auf ein deutlich leistungsfähigeres Assistenzsystem der Stufe Level 2, das im Ansatz eher an Tesla erinnert.
Das ist kein Scheitern der Vision, sondern eine Neujustierung. Offenbar bringt ein sehr gutes System, bei dem der Mensch die Verantwortung behält, im Moment mehr echten Nutzen als ein rechtlich autonomes System mit vielen Einschränkungen. Die Geschichte von Drive Pilot zeigt, dass der Weg zum selbstfahrenden Auto nicht geradlinig verläuft, sondern über Umwege und ehrliche Kurskorrekturen führt.






